Hände mit Erde und Regenwürmern

Jeder Gärtner freut sich über Regenwürmer im Garten, denn die unscheinbaren Tiere sind für einen gesunden Boden unverzichtbar. Sie regen das Pflanzenwachstum an, halten die Erde in den Beeten locker und zersetzen tote Pflanzenreste zu mineralreichem Kompost und biologischem Dünger. Wer also reichlich Regenwürmer im Garten hat, kann sich über eine hohe Bodenqualität freuen.

Viele Hobbygärtner oder jene, die in der eigenen Wohnung, im Haus oder auf dem Balkon kompostieren wollen, holen sich daher sogenannte Wurmboxen. Das ist an sich ein guter Gedanke, von dem aber größtenteils nur wir Menschen profitieren. Denn wie so oft stellen sich einige Fragen: Sind Wurmkisten auch für die Würmer gut? Oder sollte man sich doch lieber auf klassischem Weg über Würmer im Garten freuen, ohne die Tiere in Kisten zu stecken? Und gibt es Alternativen, um tierfreundlich zu kompostieren?

Nachfolgend finden Sie sieben Gründe, die verdeutlichen, warum Würmer nicht in Wurmkisten gehören.

1. Kompostwürmer werden einseitig ernährt

In Wurmboxen sollen Kompostwürmer vor allem Küchenabfälle wie Gemüseschalen in Humus für den menschlichen Gebrauch verwandeln. Tatsächlich ist der Kot von Regenwürmern, zu denen auch der Kompostwurm zählt, fünf Mal reicher an Stickstoff, enthält sieben Mal mehr Phosphor und elf Mal mehr Kalium als normale Gartenerde. [1] Das liegt aber nicht zuletzt an der Vielfalt der Pflanzen und Nahrungsmöglichkeiten, die Würmer aufgrund ihrer Bewegungsfreiheit in Garten und Natur genießen. Bei einer Haltung in Wurmboxen hingegen lassen sich die für Würmer nötigen Naturkreisläufe nicht nachbilden. Die Tiere sind gezwungen, das zu essen, was sie erhalten – in der Regel Küchenabfälle. In der Folge fehlt es ihnen oft an wichtigen Mikronährstoffen, was zu Mangelernährung und langfristig zum Tod führen kann. Zwar bietet der Handel Mineral-Mix-Zusätze für Würmer an, doch auch diese Ergänzungsmittel ersetzen den Lebensraum außerhalb der Wurmkiste nicht.

2. Auch Regenwürmer haben Ansprüche an ihren Lebensraum

Manche Menschen mögen behaupten, Würmer seien weniger wichtig als andere Tiere und es sei egal ist, wie es ihnen geht. Dennoch sind auch Kompostwürmer empfindungsfähige Lebewesen, die es bestmöglich zu behandeln gilt – was im Übrigen auch dann der Fall wäre, wenn sie uns nicht mit großartigem Dünger für unsere Gärten und Beete versorgen würden.

Regenwürmer sind bis heute vergleichsweise wenig erforscht. Besitzer von Wurmkisten oder jene, die an dieser Art der Kompostierung interessiert sind, gehen oftmals davon aus, die Tiere seien pflegeleicht und hätten keine Bedürfnisse oder Ansprüche an ihr Umfeld. Dies ist ein großes Missverständnis, das nicht selten zu einem Massensterben in Wurmkisten führt – vor allem, wenn die Tierhalter den Zustand der Boxen und der Tiere nicht regelmäßig kontrollieren.

3. Regenwürmer in Wurmboxen sind krankheitsanfällig

Generell stehen bislang nur wenige Informationen zur Verfügung, die uns Aufschluss über die optimale Versorgung von Würmern und über Krankheiten geben können, an denen die Tiere in der Natur und in Wurmboxen sterben können. Einige Besitzer von Wurmkisten stellen bei ihren Würmern eine bislang unerforschte Krankheit fest, über die sie in einschlägigen Foren berichten. Die sogenannte „Proteinvergiftung“ ist angeblich auf eine übermäßig proteinreiche Nahrung zurückzuführen, die bei den Würmern Einschnürungen am Körper verursacht und zum Tod führt. Daneben können Regenwürmer auch an Bakterien und selbst Infektionskrankheiten wie Hirnhautentzündung erkranken. [2]

Wurmkiste

4. In Wurmkisten kann sich Hitze anstauen

Wenn Wurmkisten in der prallen Sonne stehen, kann sich das Innere mitsamt den Würmern auf gefährlich hohe Temperaturen erhitzen. Während sich Kompostwürmer bei Temperaturen zwischen 15°C und 25°C am wohlsten fühlen [3], sind bereits Temperaturen ab 30°C tödlich für die Tiere. Würmer, die sich in der Kiste nicht mehr wohlfühlen, versuchen zu fliehen – doch leider erwartet sie außerhalb der Box Trockenheit, die für sie ebenso tödlich wirkt wie Hitze und Frost.

5. Die Sache mit der optimalen Feuchtigkeit

Einerseits brauchen Regenwürmer – wie der Name schon sagt – Feuchtigkeit, um überleben zu können. Wenn es zu trocken wird, sterben sie. Andererseits kann sich diese notwendige Feuchtigkeit auch schnell in Schimmel verwandeln oder in Wurmkisten zu Staunässe führen. Staunässe entsteht, wenn zu viel gewässert wird und die Feuchtigkeit nicht abfließen kann. Auch die Würmer selbst geben sogenannten Wurmsaft ab, der regelmäßig entfernt werden muss. Problematisch wird es, wenn Wurmkisten vernachlässigt werden oder sich beispielsweise in Urlaubszeiten oder bei sonstiger Abwesenheit der Besitzer niemand um die Kiste und die Tiere kümmert.

6. „Kleine Missgeschicke“ können zu großem Leid führen

Sie sehen: Die Haltung von Würmern in Boxen ist mit viel Aufwand verbunden, vieles kann dabei schiefgehen. Besitzer von Wurmkisten berichten in Foren beispielsweise, dass die Tiere wegen vermeintlich kleiner Missgeschicke versehentlich sterben. Dasselbe kann bereits beim Transport der Würmer passieren: Neben dem Stress, den sie beim Transport erleiden, können die Tiere schon vor ihrem „Einsatz“ vertrocknen, erfrieren, an übermäßiger Hitze sterben, zerquetscht werden oder schlichtweg verhungern.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich eine Wurmkiste zuzulegen, sollte sich daher die Frage stellen: Ist es wirklich sinnvoll und nachhaltig, faszinierende und vielseitige Tiere wie Würmer auf engstem Raum in Kisten einzusperren?

7. Nutzen Sie tierfreundliche Alternativen zu Wurmkisten

Macht vielleicht eine tierfreundliche Alternative möglicherweise mehr Sinn? Mit einem sogenannten Bokashi-Eimer beispielsweise lassen sich Küchenabfälle und andere organische Stoffe ebenfalls großartig kompostieren und in Dünger umwandeln. Bei der japanischen Methode, die so viel heißt wie „fermentiertes Allerlei“, zersetzen Effektive Mikroorganismen (EM) die Stoffe ohne den Einsatz von Tieren.

Oder haben Sie schon einmal vom sogenannten Wurmturm gehört? Dabei handelt es sich um eine Röhre, die mit Löchern versehen ist und direkt im Erdreich eingebracht wird. Sobald sie eingegraben ist, kann sie mit Essensresten befüllt werden, die automatisch Würmer anlocken. Der Wurmturm bietet eine hervorragende als auch platzsparende Lösung für kleine Gärten und versorgt Pflanzen an Ort und Stelle mit hochwertigen Nährstoffen.

Wurmturm

8. Weitere Informationen zur tierfreundlichen Garten- und Balkongestaltung

Es gibt viele Möglichkeiten, den eigenen Garten tierfreundlich und nachhaltig zu gestalten. Auf den folgenden Seiten finden Sie nützliche und sehr interessante Informationen zu diesem Thema.