Südafrika ist die Hochburg der Straußenlederproduktion – insgesamt 75 Prozent des weltweit gehandelten Straußenleders werden hier hergestellt. Mit einer Veröffentlichung im Jahr 2015 deckte PETA USA auf, auf welch grausame Weise Strauße in der Lederproduktion gehalten und in den weltgrößten Schlachtbetrieben in Südafrika getötet werden.

Die Aufnahmen sind schockierend: Sie zeigen, wie Mitarbeiter die verängstigten Strauße schlagen und gewaltsam töten, um sie schließlich zu häuten. Zum Zeitpunkt der Recherche wurden aus den Häuten der geschundenen Tiere Birkin Bags von Hermès hergestellt. Auch bekannte Marken wie Prada, Louis Vuitton und andere große europäische Modehäuser verarbeiten in ihren hochpreisigen Produkten Straußenleder und andere exotische Häute.

Getötete und gerupfte Strauße in südafrikanischem Schlachthaus.

Mit erschütternden Aufnahmen konnte PETA USA 2015 erstmals die industrielle Straußentötung ans Licht der Öffentlichkeit bringen. Die Bilder zeigen das alltägliche Leid der Tiere in der Exotenlederindustrie: Mitarbeiter der Schlachtbetriebe drängen die völlig verängstigten Strauße gewaltsam in Betäubungsboxen, wobei viele Tiere ausrutschen und stürzen. Vor den Augen ihrer Artgenossen, die als nächstes getötet werden, werden sie mit Elektroschocks betäubt und kopfüber aufgehängt. Dann schneiden blutverschmierte Arbeiter ihnen die Kehle durch. Durch die Tür hindurch müssen die nächsten Opfer mitansehen, wie ihre Herdenmitglieder qualvoll verbluten. Nach dem Ausbluten werden die Federn der Strauße ausgerupft. Zurück bleibt die Haut mit der typisch noppenartigen Struktur, die beispielsweise zu Birkin Bags, Prada-Handtaschen und anderen „Luxusgüter“ verarbeitet wird.

Der traurige Leidensweg der Straußenkinder

Die Ermittlung von PETA USA beleuchtete auch das Leid der Straußenbabys. Während frisch geschlüpfte Straußenjunge in freier Natur mehrere Jahre bei ihren Eltern bleiben, lernen die Kleinen auf Straußenfarmen ihre Eltern niemals kennen. Die Tierkinder verbringen ihr kurzes Leben in kargen, verschmutzten Mastanlagen und werden im Alter von etwa einem Jahr – also noch als Kinder – zum Schlachthaus transportiert. Mitarbeiter von Farmen berichten, dass den Straußen die Federn während der Aufzucht bei lebendigem Leib ausgerissen werden. Damit die Vögel diesen Schmerz tolerieren und sich nicht wehren, ziehen Mitarbeiter ihnen zuvor Hauben über den Kopf, um sie ruhigzustellen. Die Federn werden beispielsweise zu Staubwedel, Federboas und Accessoires verarbeitet. Weiter konnten Augenzeugen von PETA USA Arbeiter dokumentieren, die den gestressten Tieren auf dem Transport zum Schlachthaus noch in ihren letzten Lebensstunden mehrfach ins Gesicht schlugen.

Strauße sind faszinierende und soziale Tiere

Strauße sind die größten Vögel der Welt. Sie legen teilweise viele Kilometer am Tag zurück und sind das schnellste Landtier auf zwei Beinen. Ihre Fluchtgeschwindigkeit beträgt fast 70 km/h, und selbst halbstündige Ausdauerstrecken legen sie immerhin noch mit bis zu 50 km/h zurück. Außerdem sind Strauße sehr liebevolle und sorgsame Eltern. Die Vögel leben in einem Haremsverbund, der neben einem männlichen Vogel aus drei bis fünf weiblichen Tieren besteht – davon wiederum ist eine die Haupthenne. Nach der Paarung werden die Hennen reich beschenkt: Fürsorglich baut der Hahn mehrere Nester, wovon sie sich eines aussuchen dürfen und in das sie acht bis zwölf Eier legen. Beim Ausbrüten wechseln sich die Eltern ab: Die braune, gut getarnte Henne brütet am Tag, während der schwarze männliche Strauß die Nachtschicht übernimmt. Wenn die Jungtiere nach sechs Wochen aus den Eiern schlüpfen, umsorgen ihre Eltern sie fürsorglich und schützen sie zum Beispiel vor Raubtieren. Fängt es an zu regnen, setzen sich die Eltern sofort auf den Boden und breiten ihre Flügel aus: Der Nachwuchs flüchtet dann schnell unter den praktischen Regenschutz. Jungtiere, die aus einem Gemeinschaftsnest geschlüpft sind, bleiben in diesem Verbund ein bis zwei Jahre zusammen. [1, 2] Die Exotenlederindustrie verwehrt den Tieren dieses spannende Sozialverhalten. Strauße können bis zu 40 Jahre alt werden – in der Straußenindustrie werden sie jedoch schon im Alter von einem Jahr getötet, damit ihrer Haut möglichst viel Profit einbringt. Sensible und neugierige junge Strauße werden brutal misshandelt und getötet – und alles nur, weil einige Konsumenten ihr Fleisch (Titel: Ernährung: Darum verursachen Fleisch, Milch und Eier Tierleid) essen, ihre Federn nutzen oder sich mit ihren zu Leder verarbeiteten Häuten in Form einer genoppten Birkin Bag oder Prada-Handtasche schmücken wollen.

Was Sie tun können

Bitte kaufen Sie keine Produkte aus Straußenleder oder andere Produkte, für die Tiere ihr Leben lang ausgebeutet wurden: Entscheiden Sie sich für eine tierfreundliche Lebensweise und gegen den Konsum tierischer Produkte wie Pelz, Leder und Wolle. Entdecken Sie die Fülle an veganen Leder-Alternativen und wählen Sie tierfreundliche Accessoires und Bekleidung.

Quellen

[1] Connof, Richard (2020): Vogel Strauß: Das falsche Klischee vom dämlichen Federvieh, https://www.nationalgeographic.de/tiere/2020/08/vogel-strauss-das-falsche-klischee-vom-daemlichen-federvieh, (eingesehen am 23.03.2021)

[2] BR Wissen (2018): Ein Leben der Superlative https://www.br.de/wissen/vogel-strauss-laufen-laufvogel-afrika-106.html, (eingesehen am 23.03.2021)

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