Speziesismus ist ein diskriminierendes Denkmuster, das soziale Gerechtigkeit gegenüber allen Lebewesen verhindert und sich damit neben Rassismus und Homophobie einreiht. Als ethisch und empathisch handelnde Menschen sollten wir uns im Umgang mit allen Lebewesen jedoch folgende Fragen stellen:

Warum nehmen wir Menschen uns das Recht heraus, Tiere für unsere Ernährung zu töten? Weshalb unterscheiden wir emotional zwischen Tieren, die wir in unseren Haushalten hegen und pflegen – tolerieren gleichzeitig aber, dass andere Tierarten für unser Essen gezüchtet und in Schlachthöfen getötet werden? Um diesem angelernten und für Millionen von Tieren verheerenden Denkmuster zu entkommen und empathische sowie verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen, müssen wir reflektieren.

Rassismus, Sexismus, Homophobie und Speziesismus – wenn Menschen sich überlegen fühlen

Auch heute werden noch immer Personen wegen ihres Alters, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe, ihres Geschlechts oder ihrer Sexualität diskriminiert. Es gibt viele unterschiedliche Ausprägungen, wie sich soziale Ungerechtigkeit offenbart. In jedem Fall trägt Diskriminierung die immer gleiche Handschrift: Ein fühlendes Individuum wird aufgrund vermeintlich andersartiger Merkmale ausgegrenzt und benachteiligt.

Von Speziesismus als eine Form von Diskriminierung sprechen wir, wenn nicht-menschliche Lebewesen benachteiligt, ausgebeutet und von Menschen als unterlegen angesehen werden. Dabei wird unsere „Vernunftbegabung“ zum angeblich legitimen Scheinargument dafür, empfindungsfähige Tiere nach unserem Ermessen willkürlich zu unterdrücken und erniedrigen. [1] Menschen, die tierische Interessen herabsetzen, da sie sich für wertvoller halten, ignorieren jedoch die Tatsache, dass auch nicht-menschliche Tiere Wünsche, Bedürfnisse und komplexe Lebenswelten haben, die es zu achten und zu respektieren gilt.

Würden Sie Ihre Katze essen?

Verschiedene Kulturen haben unterschiedliche Essgewohnheiten. Hier in Deutschland streicheln die Enkelkinder Meerschweinchen, in einigen Ländern Südamerikas stehen die Nagetiere auf dem alltäglichen Speiseplan. In China ist das Fleisch von Katzen und Hunden ein gängiges Lebensmittel, in Europa führt dies zu einem Aufschrei in der Gesellschaft. Woher kommt die Unterscheidung in sogenannte süße Haustiere, für deren Wohlergehen wir Berge in Bewegung setzen und um deren Tod wir trauern – während wir auf der anderen Seite das unvorstellbare Leid eines sogenannten Nutztieres ignorieren, von denen wir später nur unkenntlich verarbeitete Lebensmittel in den Kühlregalen des Supermarktes zu sehen bekommen?

Hinter dieser kulturellen Prägung steckt ein Denkmuster, das uns schon als Kind über Generationen hinweg eingeimpft wird: Dieses Tier ist dafür da, um gegessen zu werden. Das andere dagegen streicheln wir und nennen es „Haustier“.

Versachlichung und Entpersonalisieren von Tieren lassen uns emotional abstumpfen

Für die Einteilung der Tiere nach geliebter Begleiter und Produkt gibt es aus psychologischer Sicht zwei Gründe: Der erste lautet Versachlichung. Viele Menschen nehmen eine große Anzahl von Tieren nicht mehr als Lebewesen mit Gefühlen wahr, sondern als Ware. Die Tiere verbringen ihr kurzes Leben oftmals in Anlagen außer Sichtweite von uns Menschen und werden anschließend in großen Mengen getötet. Häufig sind sie dabei nicht richtig betäubt und erleiden starke Schmerzen. Das alles geschieht hinter verschlossenen Türen, und nur Undercover-Aufnahmen liefern die Beweise. Die Tierindustrie rechnet hier oft nicht in leidensfähigen Lebewesen, sondern in Tonnen.

Der zweite Grund ist die „Ent-Individualisierung“. Tiere wie Kühe, Schweine oder Hühner werden zu einer großen, undefinierten Masse degradiert, die nur noch als Gruppe bzw. Gattung zu sehen ist. Das einzelne Tier mit seiner ruhigen, oftmals entdeckungsfreudigen, in jedem Fall jedoch eigenständigen Persönlichkeit hat keinen Stellenwert. Viele Menschen lehnen bewusst ab, ihre tierischen Mitbewohner zu essen – das liegt daran, dass sie deren Charakter kennen und lieben. Werden Tiere in einer großen Menge getötet, wie es in der Fleischindustrie geschieht, lässt uns das kalt. Die Devise lautet: Je größer die Anzahl der Opfer, desto mehr verdrängen und entpersonalisieren Menschen diese Opfer – ganz gleich, ob es sich dabei um Mitmenschen oder Tiere handelt. Die emotionale Reaktion nimmt proportional zur steigenden Opferzahl ab. Es wurde mittlerweile in psychologischen Studien nachgewiesen, dass dieses „Verdrängen“ bereits ab zwei Opfern beginnt. [2]

Dass in Deutschland jährlich mehrere hundert Millionen Tiere getötet werden, können wir uns eigentlich nicht vorstellen – diese Zahl ist zu hoch, zu abstrakt und zu unwirklich. Wir können mit ihr nicht viel anfangen, und sie macht uns deshalb auch nicht so betroffen, wie wenn uns etwa die Nachricht erreicht, dass jemand einen Hund von einer Brücke geworfen hat.

Die drei „Ns“ – normal, natürlich, notwendig

In der Vergangenheit wurden viele Ideologien von drei Scheinargumenten gestützt, von denen wir rückblickend wissen, dass sie nicht der Wahrheit entsprochen haben. Diese drei „Ns“ gelten als allgemeiner Konsens, wenn sich eine Ideologie auf ihrem Höhepunkt befindet. Sie werden vom Großteil der Bevölkerung nicht hinterfragt, sondern für die Norm gehalten – bis das zum Scheitern verurteilte, ungerechte System kippt und im Anschluss nicht mehr verstanden wird, weshalb es sich so lange durchsetzen konnte und wie man das Leid vorher nicht sehen konnte.

Die eigene Wahrnehmung und Perspektive zu verändern, bedeutet gleichzeitig, sich diesen drei vermeintlichen Normen anzunehmen und zu hinterfragen: Was ist normal, natürlich und notwendig? Wir leben in einer Gesellschaft und in einem Zeitalter, in dem Rauben und Morden ebenso wenig gesellschaftsfähig sind wie Sklaverei und Unterdrückung – also Verhaltensweisen, die zu anderen Zeiten vollkommen „normal“ waren. Wir haben Autos, anstatt zu Fuß zu gehen. Wir bauen Flugzeuge und wir benutzen Mobiltelefone. Ist das „natürlich“? Wir leben im Konsum und umgeben uns mit zahllosen Dingen, die wir nicht dringend brauchen. Ist das „notwendig“?

Jeder Einzelne entscheidet jeden Tag, wie er das eigene Leben und damit auch das Leben anderer Menschen und Tiere beeinflusst. Dies bietet uns eine Chance für Veränderung und die Möglichkeit, für die eigene Familie und das soziale Umfeld eine Vorbildrolle einzunehmen. Wer Lebewesen schätzt, der ernährt sich vegan. Ein Umstieg ist in jedem Alter möglich, und Gesundheit und körperliches Wohlbefinden steigern sich sogar.

Was Sie tun können

Bitte entscheiden Sie sich für eine ausgewogene vegane Ernährung, denn die ist nicht nur für die Tiere besser, sondern auch für die Umwelt und Ihre Gesundheit. Auf unserer Website erfahren Sie, wie leicht Sie den Tieren mit einer veganen Ernährung helfen können. Außerdem finden Sie dort köstliche vegane Rezepte und nützliche Informationen über die Vielzahl an leckeren Alternativen zu Tierprodukten, die uns heute zur Verfügung stehen.

Wir begleiten und unterstützen Sie mit dem Veganstart-Programm 30 Tage lang bei Ihrer Umstellung auf eine tierleidfreie, gesunde vegane Lebensweise. Melden Sie sich noch heute an.

Weitere Informationen zum Thema Speziesismus und zur systematischen Ausbeutung von Tieren:

Quellen

[1] Packer C., Brink H., Kissui B.M., Maliti H., Kushnir H. & Caro T. (2011): Effects of Trophy Hunting on Lion and Leopard Populations in Tanzania. Conservation Biology. Volume 25, Issue 1, p. 142–153

[2] Antwort der Bundesregierung, Drucksache 19/6961

[3] ZDF (28.05.2020): 2019 haben Deutsche 750 Trophäen eingeführt, https://www.zdf.de/nachrichten/politik/jagd-wildtiere-trophaeen-verbot-forderung-deutschland-100.html, (eingesehen am 28.10.2020)

[4] Spiegel (02.02.2014): Elefantenjagd bringt thüringischem Spitzenbeamten Ärger, http://www.spiegel.de/politik/deutschland/elefantenjagd-in-botswana-thueringischer-spitzenbeamter-unter-druck-a-950678.html, (eingesehen am 28.10.2020)

[5] Spiegel (29.07.2015): Ein Jäger wird zur Hassfigur, http://www.spiegel.de/panorama/getoeteter-loewe-in-simbabwe-us-jaeger-wird-zur-hassfigur-a-1045805.html, (eingesehen am 28.10.2020)

[6] Der Tagesspiegel (08.05.2010): Aus dem Zoo vor die Flinte, https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/loewen-verkauft-aus-dem-zoo-vor-die-flinte/1816542.html, (eingesehen am 28.10.2020)

[7] Campbell, R. (2013): The $200 million question – How much does trophy hunting really contribute to African communities? Economists at Large Pty Ltd. Melbourne, Australia

[8] Pro Wildlife: Reisen um zu töten: Trophäenjagd auf bedrohte Arten, https://www.prowildlife.de/hintergrund/grosswildjagd-trophaenjagd, (eingesehen am 28.10.2020)