Exotische Wildtiere wie Schlangen, Echsen und Warane gehören in die Freiheit, nicht in Gefangenschaft – das zeigen nicht zuletzt die häufigen Ausbrüche von Reptilien aus privaten Haushalten oder lebensgefährliche Bisse von giftigen Tieren.

Giftige Reptilien in Privathaushalten: Gefahr für Tierhalter und Mitmenschen

Schätzungen der Halterszene zufolge werden in deutschen Privathaushalten etwa 250.000 Riesenschlangen und 100.000 Giftschlangen als tierische Mitbewohner gehalten. Hinzu kommen unzählige weitere Schlangen, Warane, Schildkröten, Skorpione, Spinnen und andere Tiere, die teils hochgiftig sind oder anderweitiges Verletzungspotenzial bieten. [1]

Beinahe regelmäßig sorgen aus Privathaushalten ausgebrochene exotische Reptilien für Aufruhr. 2019 entwischte beispielsweise eine giftige Kobra im nordrhein-westfälischen Herne und hielt sich fast eine Woche in einem Häuserblock versteckt; 30 Bewohner mussten zwischenzeitlich ihre Wohnungen verlassen. [2] Ebenfalls in Nordrhein-Westfalen biss 2015 eine Gabunviper dem Schlangenhalter in den Finger. Das Gift dieser Vipernart gilt als potenziell tödlich. Der Mann wurde mit einem Rettungshubschrauber sofort auf die Intensivstation des Bielefelder Klinikums gebracht. Währenddessen wurde ein über die Giftnotrufzentrale im Wuppertaler Zoo ausfindig gemachtes Antiserum per Polizeihubschrauber nach Bielefeld transportiert. [3]

Die beiden Beispiele zeigen unverkennbar, dass exotische Tiere wie Giftschlangen nicht in die Gefangenschaft deutscher Wohnzimmer gehören, sondern in ihren natürlichen Lebensraum. Die anspruchsvollen Exoten können in Menschenhand nicht artgerecht gehalten werden und stellen eine Gefahr für Tierhalter und deren Umfeld dar.

Reptilienhandel – tödliche Gefahr für Tier und Mensch

Der Handel mit Reptilien und Amphibien ist zudem unmittelbar mit dem Tod unzähliger Tiere verbunden: Viele der empfindlichen Exoten versterben bereits, bevor sie überhaupt in den Verkauf kommen. Verlustraten von 70 Prozent gelten in der Zoohandelsbranche als üblich. [4] Doch auch der Haltung selbst fallen zahlreiche Tiere zum Opfer: Eine tierärztliche Fallstudie an rund 150 verstorbenen Reptilien ergab, dass 51 Prozent der Tiere an Krankheiten litten, die durch falsche Haltung verursacht werden. [5] Bei einem erheblichen Teil der auf Terraristikbörsen und im Tierhandel angebotenen Wildtiere handelt es sich um Wildfänge, die ihrem natürlichen Lebensraum entrissen wurden. So werden die letzten artenreichen Naturgebiete regelrecht geplündert, um die Nachfrage von Interessenten bedienen zu können und dabei möglichst hohe Profite zu erzielen.

Auch wenn es sich nicht bei allen Exoten um giftige Tiere handelt, können sie für den Menschen dennoch gefährlich sein: Studien zufolge übertragen die meisten Reptilien gesundheitsgefährdende Salmonellenarten – geschätzte 90 Prozent der Tiere tragen die Erreger in sich. Auf den Menschen übertragene Salmonellen können im Extremfall zur Hirnhautentzündung oder zum Tod des Menschen führen; vor allem Kinder, immungeschwächte und ältere Menschen sind gefährdet. Schätzungen des Robert Koch-Instituts zufolge rührt jede dritte Salmonelleninfektion bei Kleinkindern von exotischen Tieren her. [6] Gerade bei Tieren, die der freien Natur entrissen wurden, lässt sich nicht sagen, ob oder welche tödlichen Viren und Bakterien die Reptilien in sich tragen. Mit 72 Prozent lässt sich der größte Teil aller Zoonosen nachweislich auf den Kontakt zu wild lebenden Tieren zurückführen. [4]

Exotische Tiere und Reptilien gehören nicht in die Gefangenschaft. Die Politik muss handeln

Zum Schutz von Mensch und Tier sollte die Bundesregierung die Haltung von Wildtieren wie Reptilien und Amphibien bundesweit einheitlich und unverzüglich verbieten.

Bislang wird die Haltung gefährlicher Tiere wie Giftschlangen lediglich auf Länderbasis gesetzlich geregelt. Während einige Bundesländer wie Bayern, Hessen oder Schleswig-Holstein die Haltung giftiger Tiere bereits verboten haben, fehlt es in den meisten Ländern an einer entsprechenden Regelung. [7] Nach dem oben genannten Vorfall in Herne zog Nordrhein-Westfalen schließlich nach: Seit Januar 2021 ist dort die Haltung und Neuanschaffung dieser Tiere verboten. [8] In Baden-Württemberg hingegen gibt es beispielsweise keine klare Regelung.

Auf Reptilienbörsen oder im Internet ist es nach wie vor weitestgehend ohne größere Hürden möglich, gefährliche Tiere zu kaufen – unabhängig davon, ob der zukünftige Halter über das nötige Fachwissen zur Haltung der Tiere verfügt. In der Folge brechen immer wieder gefährliche Tiere aus ihren Terrarien aus oder werden von überforderten Laien verantwortungslos ausgesetzt. Doch nicht nur Giftschlangen und Co. sind eine Gefahr für den Menschen – auch Wildtiere leiden in Gefangenschaft. Es ist deshalb Zeit, auch die Haltung von Wildtieren zu verbieten.

Was Sie tun können

  • Exoten gehören in ihren natürlichen Lebensraum, denn sie können in Gefangenschaft nicht artgerecht gehalten werden. Sollten Sie dennoch einem exotischen Tier ein Zuhause schenken wollen, dann adoptieren sie ein Tier aus dem Tierheim. Dort warten viele Tiere, die nach einer unüberlegten Anschaffung ausgesetzt oder abgegeben wurden. Informieren Sie sich vor der Adoption eines solchen Tieres jedoch ausführlich über seine spezifischen Bedürfnisse.
  • Besuchen Sie keine Reptilienbörsen, vor allem nicht mit Kindern. Zum einen lernt man auf solchen tierquälerischen Veranstaltungen nichts Wissenswertes über die spannenden Tiere, zum anderen setzt man sich unnötig einer großen Infektionsgefahr aus.
  • Sehen Sie sich stattdessen informative Reportagen und spannende Dokumentationen über Tiere in der Wildnis an – gerne auch mit Kindern und Enkelkindern. Auf diese Weise erleben Sie die Tiere hautnah und vertiefen das Verständnis, dass Tiere ihr Leben nicht in Gefangenschaft verbringen wollen.
Quellen

[1] bmt Bund gegen missbrauch der tiere (2017): Stellungnahme Privathaltung von exotischen/gefährlichen Tieren, https://mlr.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mlr/intern/bilder/Unsere_Themen/Tierschutz_und_Tiergesundheit/Anhoerung-exotische-Tiere/01_BMT_PW.pdf, (eingesehen am 10.02.2021)

[2] Müller, Iris (2020): Nach Giftschlangen-Drama von Herne gibt es jetzt Streit ums Bußgeld, https://www.ruhrnachrichten.de/castrop-rauxel/kobra-nach-giftschlangen-drama-von-herne-gibt-es-jetzt-streit-ums-bussgeld-1490204.html, (eingesehen am 10.02.2021)

[3] LZ.de (2015): Zwei Hubschraubereinsätze nach Schlangenbiss, https://www.lz.de/lippe/extertal/20424241_Zwei-Hubschraubereinsaetze-nach-Schlangenbiss.html, (eingesehen am 10.02.2021)

[4] Toland, Elaine/Warwick, Clifford/ Arena, Phillip: Pet Hate, in: The Biologist, Vol. 59 No. 3, 2012.

[5] Schmidt, Volker: Die Bedeutung von haltungs- und ernährungsbedingten Schäden bei Reptilien. Eine retrospektive pathologische Studie, 4. Leipziger Tierärztekongress, 2008.

[6] Robert Koch-Institut: Salmonella-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern durch Kontakt zu exotischen Reptilien. Epidemiologisches Bulletin. 4. März 2013 / Nr. 9.

[7] Deutscher Bundestag (2016): Regelung zu Gefahrtieren, https://www.bundestag.de/resource/blob/474538/d5030acb4dc820e4be2e5559c381474c/wd-5-075-16-pdf-data.pdf, (eingesehen am 10.02.2021) [8] RECHT.NRW.DE (2020): Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor sehr giftigen Tieren (Gifttiergesetz – GiftTierG NRW) https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_vbl_detail_text?anw_nr=6&vd_id=18602&ver=8&val=18602&sg=0&menu=1&vd_back=N, (eingesehen am 10.02.2021)

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