pferde an der kutsche

Viele Menschen haben eine romantisierte Vorstellung, wenn es um Kutschfahrten geht. Doch die Realität für die Pferde ist alles andere als romantisch. Eingespannt vor Kutschen müssen die Tiere schwere Lasten ziehen – bei Hitze und Kälte, bei Wind und Wetter. Immer wieder kommt es vor, dass Pferde aus Erschöpfung vor ihrer Kutsche zusammenbrechen, meist können sie nur noch an Ort und Stelle durch einen Tierarzt eingeschläfert werden. Häufig zwingen Kutscher die sensiblen Tiere in den hektischen und lärmenden Stadtverkehr. Jedes Jahr sind zahlreiche Pferdekutschen in schwere Unfälle verwickelt, bei denen Menschen und Tiere schwer verletzt werden oder sogar sterben. Für die Herdentiere ist dieses Leben eine Qual: Sie gehören auf die Weide, zusammen mit Artgenossen – nur so können sie glücklich sein.

Pferde müssen bei jedem Wetter Schwerstarbeit leisten

Das Ziehen einer Kutsche bedeutet körperliche Schwerstarbeit für Pferde. Teilweise stammen die Tiere aus dem Trabrennsport [1] und sind viel zu klein und leicht, um als Touristenattraktion Kutschen durch Städte wie Berlin oder Wien zu ziehen. Die zum Teil mehrere Hundert Kilogramm schweren Kutschen [1, 2] stellen für die Pferde eine zu hohe Belastung dar, vor allem, wenn sie mit mehreren Personen besetzt ist. [3]

Extreme Wetterbedingungen wie Hitze und Kälte setzen den Pferden zusätzlich zu. Im Sommer sind die sensiblen Tiere der Hitze häufig schutzlos ausgeliefert und haben keinen Zugang zu Wasser und Schatten. Teilweise sind sie so erschöpft, dass sie zusammenbrechen und an Ort und Stelle sterben. Bei regennassen Straßen und Glatteis im Winter besteht die Gefahr, dass die Pferde ausrutschen, stürzen und sich schwer verletzen. Auch für Menschen können solche Unfälle gefährlich werden.

pferde kutsche im winter

Pferdekutschen sind immer wieder in schwere Unfälle verwickelt

In vielen europäischen Großstädten oder in Urlaubsregionen wie etwa auf Mallorca können Touristen Stadtrundfahrten auf Pferdekutschen buchen. Meist ist der Straßenverkehr hektisch und die Luft durch Abgase belastet. Schwere Fahrzeuge wie Busse oder Straßenbahnen verursachen einen Geräuschpegel, der die sensiblen Fluchttiere zusätzlich stresst. Plötzliche Geräusche wie Hupen oder starkes Beschleunigen von Fahrzeugen können Pferde so erschrecken, dass ihre Fluchtreaktion ausgelöst wird und sie panisch loslaufen. Beinahe regelmäßig kommt es zu schweren Unfällen, bei denen Tiere und Menschen verletzt oder getötet werden. Auch Zusammenstöße von Autos und Kutschen sind keine Seltenheit.

Immer wenn sich solche traurigen Vorfälle ereignen, entbrennt die Diskussion aufs Neue, ob Pferdekutschen Tierquälerei sind und Kutschfahrten für Touristen zumindest in Großstädten verboten werden sollen.

Jedes Jahr sind mehrere Dutzend Pferdekutschenunfälle zu verzeichnen, bei denen zahlreiche Menschen und Tiere verletzt werden und sogar sterben. Doch anders als vielfach vermutet, ereignen sich auch in ländlichen Regionen häufig schwere Unfälle, denn enge, kurvige und holprige Straßen, Feld- und Waldwege bergen ein besonders hohes Verletzungs- und Unfallrisiko.

Unfälle mit Pferdekutschen im ländlichen Raum

Im August 2013 beispielsweise raste ein Motorradfahrer im sächsischen Moritzburg in eine Pferdekutsche, wobei der Unfallfahrer und zwei Pferde ums Leben kamen. [4] Im gleichen Jahr starben im westfälischen Werne ein Kutscher und seine beiden Pferde, nachdem die Tiere durchgingen und in einen PKW prallten. [5]

Im August 2019 ereigneten sich in der Lüneburger Heide innerhalb von zwei Tagen gleich zwei schwere Unfälle mit Pferdekutschen: Am 7. August machte ein Kegelclub einen Ausflug nahe Egestorf. Die Kutsche kam in einer Linkskurve von der Fahrbahn ab – 13 Menschen wurden verletzt. Am nächsten Tag kam in Schneverdingen eine voll besetzte Kutsche an einer Gabelung vom Weg ab, fuhr gegen einen Stein und stürzte um. 18 Menschen wurden schwer und teilweise lebensgefährlich verletzt. [6]

Bei einem Unfall im Januar 2021 im mittelfränkischen Greding ertranken zwei Pferde qualvoll. Als der Kutscher die Tiere einspannen wollte, rissen diese sich los. Nach Medienangaben war zunächst unklar, ob der schwer verletzte Mann von den Pferden überrannt oder von der Kutsche überrollt wurde. [7]

Ein Verbot von Pferdekutschen und tierfreundliche Alternativen sind notwendig

Angesichts der wiederholt tragischen Unfallbilanzen haben wir von PETA Deutschland uns an das Bundesverkehrsministerium gewandt und um Prüfung eines bundesweiten Verbots von Pferdekutschen im Straßenverkehr gebeten. Die häufig schweren Verläufe der Unfälle lassen sich auch auf fehlende Sicherungsvorrichtungen wie Gurte und Airbags sowie mangelhafte Beleuchtung und unzureichende Bremssysteme zurückführen. Ein Vergleich mit Unfallzahlen aus dem Kraftfahrzeugbereich ist nicht zielführend, denn die Sicherheit motorisierter Fahrzeuge wird im Gegensatz zu Pferdekutschen ständig weiterentwickelt und aktuellen Standards angepasst.

Pferdekutschen passen nicht in den modernen Straßenverkehr, denn die Risiken für die Verkehrsteilnehmer sind überproportional hoch. Pferde sind Fluchttiere, die im Straßenverkehr sehr leicht erschrecken. Bei den oftmals schweren Unfällen war nicht selten nur ein Geräusch der Auslöser für die Tragödie.

Ein Verbot von Pferdekutschen ist nicht nur zum Unfallschutz von Mensch und Tier, sondern auch aus Tierschutzgründen notwendig. Sogenannte „Kutschpferde“ werden unter extremen Bedingungen teilweise so lange zur Arbeit gezwungen, bis sie zusammenbrechen. Eine tiergerechte Lebensweise wird ihnen verwehrt.

Als tierfreundliche Lösung bietet sich etwa der Umstieg auf elektrische Kutschen an. Damit wären nicht nur die Straßen sicherer, sondern Anbieter könnten mit solchen und ähnlichen innovativen Attraktionen weiterhin Touristen anlocken.

Was Sie tun können

Bitte buchen Sie niemals eine Fahrt in einer Pferdekutsche. Nur wenn die Nachfrage nach solchen tierquälerischen Angeboten sinkt, werden Anbieter auf tierfreundliche Alternativen umsteigen. Pferde sind sensible Wesen, die ein Leben vor der Kutsche nicht verdient haben.

Quellen

[1] markt.de: Zug- und Kutschpferde – Kraft für Kutschen, https://www.markt.de/ratgeber/pferde/Kutschpferde/, (eingesehen am 15.04.2021)

[2] kozak-kutschbau.de: Unsere Kutschen, http://www.kozak-kutschenbau.de/kutschen/kutschen.htm, (eingesehen am 06.04.2021)

[3] Sladky, Pamela (2019): Tiroler Kutschenbetreiber wegen Tierquälerei angeklagt, https://www.pferderevue.at/aktuelles/tierschutz/2019/tiroler-kutschenbetreiber-wegen-tierquaelerei-angeklagt.html, (eingesehen am 15.04.2021)

[4] Liebscher, Wolf Dieter (2013): Moritzburger Kutschenunfall wird nachgestellt, https://www.saechsische.de/moritzburger-kutschenunfall-wird-nachgestellt-2692041.html, (eingesehen am 15.04.2021)

[5] WAZ (2013): Kutscher wird in Werne von Pferdegespann überrollt, https://www.waz.de/region/kutscher-wird-in-werne-von-pferdegespann-ueberollt-und-stirbt-id8356083.html, (eingesehen am 15.04.2021)

[6] nordbuzz (2019): Horror-Unfall! Zahlreiche Opfer bei schwerem Unglück einer Pferde-Kutsche, https://www.nordbuzz.de/niedersachsen/lueneburg-horror-unfall-zahlreiche-opfer-schwerem-unglueck-einer-pferde-kutsche-zr-12902456.html, (eingesehen am 15.04.2021)

[7] Kurier (2021): Zwei Pferde ertrunken, Mann schwer verletzt, https://www.kurier.de/inhalt.bayern-kutschunfall-mann-schwer-verletzt-und-zwei-pferde-ertrunken.edbc2d06-0cdf-4ed7-9d83-928088e284f9.html, (eingesehen am 15.04.2021)

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