Schaf mit herausgestreckter Zunge

In 2004 wurde Merinoschaf Shrek von Menschen verwildert und mit 27 Kilogramm Wolle mehr auf der Haut in einer Höhle in Neuseeland gefunden. [1] Damals gingen die Bilder des Schafs, das aus der neuseeländischen Wollindustrie entkam, um die Welt. Auch heute greifen internationale Medien die bewegende Geschichte des Schafs, das seine Wolle behalten wollte, immer wieder auf. 2021 sorgte schließlich das Schaf Baarack für Aufsehen. Auch er war vor der Wollindustrie geflohen und irrte mit mehr als 35 Kilogramm völlig verfilzter Wolle, die ihm bis über die Augen hing, durch den australischen Busch. [2] Beide Schafe hatten großes Glück, denn sie hätten durch Qualzucht unter der Wolllast sterben können.

Shreks und Baaracks Geschichten zeigen uns dabei vor allem eines: Warum wir keine Wolle tragen sollten, wenn uns Schafe, Ziegen, Kaninchen und Alpakas wirklich am Herzen liegen. Denn auch in der Wollindustrie werden Tiere nur als Ware angesehen, gezüchtet und für den Profit misshandelt.

Sechs Jahre lang vor Wollindustrie versteckt

Die Geschichte könnte eigentlich nett sein: Das neuseeländische Merinoschaf Shrek hatte sich sechs Jahre lang in den Bergen von Süd-Neuseeland vor der jährlichen Schur versteckt. Als er in einer Höhle gefunden wurde, wirkte er durch die gewachsenen Wollberge dreimal so groß wie normal. Von ganzen 27 Kilogramm Fell wurde er freigeschoren. Shrek wurde daraufhin zu einer Berühmtheit. Shrek starb im Jahr 2011 im Alter von ca. 16 Jahren. Wie lange Baarack allein im Busch verbrachte, ist unklar. Doch als er gefunden wurde, lag die verfilzte Wolle so schwer auf seinem Gesicht, dass er die Augenlider nicht mehr öffnen konnte. Er war unterernährt, konnte sich nicht mehr bewegen und hatte durch festsitzende Grassamen und Dreck ein Geschwür am Auge. Hätte ihn niemand gefunden und behutsam von der dichten Wolle befreit, wäre Baarack qualvoll gestorben.

Die Geschichten der wiedergefundenen Schafe sind „eigentlich nett“, weil selbst die Flucht vor der Wollindustrie und der damit einhergehenden Schur für Qualzuchten wie Shrek und Baarack kein glückliches Leben in Freiheit bedeuten. Es grenzt an ein Wunder, dass sich die beiden so lange in der Natur selbst versorgen konnten. Da den Tieren durch Zucht der natürliche Fellwechsel geraubt wurde, sind sie in der Natur nicht überlebensfähig. Ihr übermäßiges Fellwachstum belastet sie irgendwann so stark, dass sie sterben. Sie können sich unter der dichten Wolle kaum noch bewegen, das Haar fällt ihnen über die Augen und sie finden keine Nahrung mehr, sie sind einem hohen Parasitendruck ausgesetzt und können an einem Hitzschlag sterben.

Gleichzeitig bedeutet die Schur für Schafe wie Shrek und Baarack Stress und Panik und sie ist oftmals mit schmerzhaften Schnittwunden verbunden. Als Baarack von seiner Wolllast befreit wurde, musste sogar der Herzschlag des geschwächten Tiers überwacht werden, damit er vor Angst und Panik keinen Herzinfarkt erleidet. Shrek und Baarack stehen damit stellvertretend für die Ausbeutung von Millionen sogenannter Wollschafe in der weltweiten Wollindustrie.

Schafe produzieren durch Züchtung zu viel Wolle

Australien, China und Neuseeland gehören zu den größten Wollproduzenten weltweit. [3] Neben Kaninchen, Ziegen und Alpakas sind Schafe jedoch die am meisten in der Wollindustrie ausgebeuteten Tiere. Allein in Australien wurde in 2019/20 rund 68 Millionen Schafen gewaltsam das Fell vom Körper geschoren, um daraus Garn für Handarbeit, Kleidung und andere Produkte aus Wolle herzustellen. [4]

Schafe
Da der Mensch die Tiere noch besser „nutzbar“ machen wollte, züchtete er den Fellwechsel beim Wildschaf einfach weg.

Den zweifelhaften Weltrekord an entfernter Wolle in einer Schur hält ein Schaf namens Chris, das ähnlich wie Leidensgenosse Shrek in die Natur fliehen konnte und dort aufgrund seiner Züchtung unnatürliche Mengen Fell ansetzte. Australische Tierschützer entfernten dem Schaf mühevoll 41,10 Kilogramm Wolle. [5]

Mulesing: Verstümmelungen für Wolle

Die Qualzüchtung von Schafen, aber auch Alpakas, Kaninchen und Ziegen für Wolle führt nicht nur zu unnatürlichem Fellwachstum. Durch die Züchtung entstehen am ganzen Körper der Tiere, insbesondere am Hinterteil, Falten, in denen sich Schweiß, Kot und Urinreste sammeln. In diesen Falten legen Fliegen ihre Eier ab. Die Larven fressen sich anschließend in die Haut. Die Schafe leiden dabei unter schmerzhaften Entzündungen, die sich ebenfalls infizieren können. Bleiben die Wunden unbehandelt, kann dies bis zum Tod führen. Um den Parasitenbefall zu umgehen, hat sich eine leidvolle und grausame Praktik in der Wollindustrie verbreitet: Beim Mulesing werden den Tieren großzügig eben jene Hautfalten aus dem Hinterteil geschnitten, ohne Betäubung. Das Mulesing, zurückgehend auf den australischen Schafzüchter John Mules, soll den Madenbefall verhindern. Für die verstümmelten Tiere bedeutet diese Prozedur in jedem Fall Leid und Schmerzen.

Rund 90 Prozent aller Merinoschafe in Australien müssen die Verstümmelung beim Mulesing auch heute noch über sich ergehen lassen. Oft schneiden Züchter den Schafen gleichzeitig auch die Schwänze zur Hälfte ab. In Neuseeland, woher Schaf Shrek stammt, ist Mulesing seit 2018 verboten. Es wird Zeit, dass auch Australien die tierquälerische Praktik endlich verbannt und Verbraucher auf tierfreundliche Wollalternativen umsteigen.

Wollballen
Wir Menschen müssen keine Wolle von Tieren tragen. Der Handel bietet heute eine Fülle an ausgezeichneten, tierleidfreien Alternativen zu Wolle an.

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