Ein Gastblog von PETA-USA-Gründerin Ingrid Newkirk: Für mehr Respekt gegenüber allen Amerikanern

Inmitten von Pandemie und dem jüngsten Wahlzyklus ist es nur allzu verständlich, dass wir nach Gemeinsamkeiten suchen. Schließlich sitzen wir alle im selben Boot. Und wenn es je einen guten Zeitpunkt gab, um zu erkennen, dass jeder Einzelne von uns gleichermaßen nach Leben, Freiheit und Glück strebt, dann ist es der Tag des Amtsantritts des Präsidenten. Bis hierhin mögen mir die meisten von Ihnen wohl zustimmen. Aber was, wenn ich nun sage, dass meine Gedanken auch die Milliarden Amerikanerinnen und Amerikaner mit einschließen, die zufällig keine Menschen sind? Wir alle sind in einer Welt aufgewachsen, in der das unbestreitbare Interesse von Tieren an Leben, Freiheit und Glück einfach ignoriert wird. Diese Ignoranz beruht auf nichts als Vorurteilen. Warum gelten nicht auch Tiere als Bürgerinnen und Bürger?

Wir sind uns in allen entscheidenden Aspekten gleich und das müssen wir endlich anerkennen. Ob man nun Federn oder Fell, Haut oder Fischschuppen hat: Wir alle sind zu komplexen Gefühlen wie Liebe, Traurigkeit, Schmerz und Freude im Stande, und wir alle besitzen einen Lebenswillen. Der Mensch ist in diesen Aspekten nicht einzigartig. Elefanten und Schimpansen trauern und vergießen Tränen, wenn ein Familienmitglied stirbt. Kuhmütter legen Kilometer zurück, um ihre Babys wiederzufinden, die man ihnen weggenommen hat. Vögel begeben sich selbst in Gefahr, um ihre Kinder zu retten. Fische genießen Körperkontakt mit Artgenossen. Und Kraken dekorieren ihr Zuhause mit allerhand Fundstücken aus dem Meer.

An unserer Fähigkeit, Mitgefühl für andere zu empfinden, ist ein Punkt besonders wichtig: Sie ist unbegrenzt. Mitgefühl ist kein Brunnen, der irgendwann austrocknet, wenn man zu viel Wasser geschöpft hat. Wir können bedenkenlos unsere Herzen öffnen und auch an all die anderen Tiere denken, die hier leben. Zum Beispiel an Hühner – quasi die geflügelten Amerikaner.

Hühner sind soziale und sehr sympathische Vögel. Genau wie Sie und ich empfinden sie Schmerzen, Traurigkeit, Freude und Liebe. Sie hängen an ihrem Leben und ihrer Freiheit und verbringen ihre Zeit gerne mit Dingen, die sie glücklich machen. Das können ganz einfache Dinge sein, wie sich genüsslich auszustrecken, ein Staubbad zu nehmen, Freundschaften zu schließen, Kinder aufzuziehen oder den Schnabel in den Wind zu halten. Wer schon einmal ein Huhn als ‘Haustier’ hatte, wird bestätigen, dass jedes Tier eine ganz eigene Persönlichkeit besitzt, auf seine Weise einzigartig ist und sich in einem annehmlichen Umfeld und der richtigen Gesellschaft am wohlsten fühlt.

In der Massentierhaltung reißen Arbeiter die panischen Vögel an den Beinen hoch, schmettern sie in Kisten und brechen ihnen dabei die Flügel. Sie fahren sie auf LKW bei jedem Wetter zum Schlachthof. Und dort angekommen hängt man sie kopfüber auf und schneidet ihnen die Kehle durch. Ist es wirklich so lächerlich oder unwichtig, anzunehmen, diese Tiere wäre lieber sanft gestreichelt oder, besser noch, einfach in Ruhe gelassen worden?

Im Verlauf der Geschichte wurde den Menschen immer wieder eingeredet, die Klasse, zu der sie gehören, sei allen anderen überlegen. Solch eigennütziges Überlegenheitsdenken basiert auf Ignoranz und Arroganz. Zum Glück verändert sich das gerade. Immer mehr Menschen sind sich einig darüber, dass der Anspruch auf Rechte nicht von Faktoren wie Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung, Hautfarbe – oder eben auch Spezieszugehörigkeit – abhängig sein darf.

Speziesismus Kampagnentitel

Und genau so sollte es auch sein. Es gibt kein „wir“ gegen „sie“. Wir alle sind Lebewesen mit Gedanken, Gefühlen und Wünschen – ganz egal, wie wir aussehen. Niemand von uns sollte Ketten, ein schweres Joch oder den Gedanken ertragen müssen, die eigene Daseinsberechtigung bestehe nur darin, anderen zu dienen. Nur das beschämend speziesistische Gedankengut des Menschen gestattet es uns, uns nicht dementsprechend zu verhalten.

Lassen Sie uns, pünktlich zur Amtseinführung, unser Mitgefühl ausweiten – indem wir Respekt und Mitgefühl für alle Amerikanerinnen und Amerikaner zeigen, die in diesem Land geboren wurden und dringend unsere Solidarität brauchen.