Für Tierfreunde im besten Alter

Es stört Sie, nicht raus zu dürfen? So geht es Ihrem Hund jeden Tag!

Es stört Sie, nicht raus zu dürfen? So geht es Ihrem Hund jeden Tag!

Ein Gastblog von PETA-USA-Gründerin Ingrid Newkirk: Wie die Corona-Krise den Blick auf unsere vierbeinigen Freunde verändern kann

Auf der ganzen Welt beklagen sich die Menschen darüber, dass sie aufgrund von COVID-19 wochenlang zu Hause bleiben müssen. Schon nach ein oder zwei Tagen fühlen sich viele einsam, gelangweilt, unruhig, depressiv oder sogar wütend. Und das, obwohl wir zumindest das Internet, Netflix, Bücher, Musik, Spiele, Videotelefonie und unzählige weitere Unterhaltungs- und Kontaktmöglichkeiten haben.

Vielleicht hilft uns diese Zeit, uns besser in unsere Hunde hineinzuversetzen.

Viele Menschen sagen, sie lieben ihren Hund. Schließlich versorgen sie ihn mit Nahrung, bringen ihn zum Tierarzt und kaufen ihm teure Halsbänder und Spielzeug. Aber sie berauben ihn tagein tagaus eines seiner wichtigsten Bedürfnisse, indem sie ihn neun oder mehr Stunden am Stück alleine lassen.

Die einzig soziale Interaktion, die viele Hunde kennen, findet in einer kurzen Zeitspanne statt, wenn ihre Halter von der Arbeit nach Hause kommen. Sie schütten ihnen Nahrung in den Napf, streicheln sie kurz und gehen vielleicht eine Runde um den Block mit ihnen. Dabei zerren viele Menschen ungeduldig an der Leine, wenn der Hund irgendwo schnüffeln will. Zuhause angekommen hübschen sich „Herrchen und Frauchen“ vielleicht nur kurz auf, um auszugehen und den Vierbeiner erneut zurückzulassen.

Das ist Tierquälerei.

Ja, genau wie Massenzuchtanlagen für Welpen oder Hundekämpfe. Das Problem wird verschärft, wenn Menschen ihre Hunde im eigenen Zuhause für die Zeit ihrer Abwesenheit in Boxen sperren. Den Tieren fehlt es an geistiger und körperlicher Anregung. Sie können über einen langen Zeitraum nicht urinieren oder koten, oder müssen inmitten ihrer eigenen Ausscheidungen ausharren. Sollte es im Haus einen Brand oder anderen Notfall geben, sitzen die Hunde fest – so sind zum Teil schon Hunde in ihren Boxen verbrannt oder ertrunken.

Für viele Hunde ist die aktuelle Situation – in der viele Menschen zu Hause bleiben müssen – eine willkommene Abwechslung von der üblichen Langeweile und Einsamkeit. Sie müssen nicht wie sonst den ganzen Tag lang die Wand anstarren und darauf warten, dass ihr Halter nach Hause kommt. Die Frage ist: Werden diese Menschen nach der Pandemie in ihre alten Muster zurückfallen und ihre tierischen Mitbewohner – denkende, fühlende Lebewesen – weiterhin wie ein altes Paar Schuhe zu Hause lassen?

Auch wenn viele Hunde aktuell vermutlich häufiger Gassi gehen dürfen, müssen sie sich dennoch der Geschwindigkeit ihres Menschen anpassen.

Sie tragen vielleicht ein Würge- oder Stachelhalsband, das sich in ihren Hals bohrt, wenn sie kurz anhalten und an etwas schnuppern wollen. Als ich kürzlich im Stau stand, beobachtete ich eine Frau, die ihren Hund über die Straße zerrte. Seine vier Beine standen still und sie zog ihn hinter sich her, weil sie scheinbar wenig Zeit hatte und ihr Leben zu wichtig war. So wichtig, dass der Hund nicht einmal kurz an einer Straßenlaterne schnüffeln durfte.

Hundenasen sind sehr sensibel. Sie erkennen, wer zuvor an einer Stelle vorbeigekommen ist und in welcher gesundheitlichen Verfassung der jeweilige Hund war. Anzuhalten und zu schnüffeln, ist für einen Hund genauso wichtig wie Nachrichten oder Facebook für uns. Es ist schlichtweg grausam, ihm diese grundlegende Freude zu nehmen.

Viele Menschen haben aktuell das Gefühl, die Pandemie bestimme weite Aspekte ihres Lebens. Wir Menschen aber bestimmen jeden einzelnen Aspekt im Leben unseres Hundes. Wir bestimmen, was und wie häufig er isst, und wann und wo er sich erleichtern darf. Wie mag sich das wohl anfühlen? Unglaublich viele Hunde bekommen nie Gelegenheit, sich wie Hunde zu benehmen – zu schnuppern, zu rennen, zu graben und zu bellen.

Wir Menschen quasseln oft ohne Punkt und Komma. Sobald ein Hund aber einmal bellt, sagen wir ihm, es solle damit aufhören. Auch Hunde sollten sich unterhalten und ihre Stimme nutzen dürfen. Und achten wir nicht darauf, entgeht uns sicher, was sie uns mitteilen wollen. Wie ich in meinem neuen Buch „Animalkind“ erkläre, vermitteln Hunde ihre Botschaften mit unterschiedlichen Tonhöhen, Lautstärken und zeitlichen Abfolgen. Sie brummeln anders, wenn sie sich um Nahrung streiten, als wenn sich ein Fremder nähert. Hunde haben Menschen bereits vor Bränden, Einbrechern oder anderen Gefahren gewarnt – nur ein Grund mehr, warum wir sie sprechen lassen und ihnen zuhören sollten!

Nutzen wir also die Gelegenheit und verbringen Zeit mit unseren Hunden.

Machen wir ihr Leben interessanter und lassen wir ihnen Freiheiten. Weg mit den Käfigen und Boxen zum Einsperren. Wenn wir in Zukunft wegmüssen, sollte eine vertraute Person bei unserem Vierbeiner bleiben und mit ihm Gassi gehen. Lassen wir unsere Hunde die Geschwindigkeit der Spaziergänge bestimmen. Lassen wir sie entscheiden, wo wir hingehen und wo längere Schnüffelpausen nötig sind.

Niemand sollte sein ganzes Leben lang einen „Lockdown“ verordnet bekommen, nur weil er vier anstatt zwei Beine hat.