Auf der Welt wird so viel Fisch gegessen wie nie zuvor. Zwar ist der Pro-Kopf-Verzehr in Deutschland mit 13,2 Kilogramm im Jahr 2019 etwas gesunken – 2018 waren es noch 1,3 Kilogramm mehr. [1] Doch beim weltweiten Fischkonsum zeigt sich eine andere Entwicklung: So stieg der globale Fischkonsum in den vergangenen Jahren kontinuierlich an und summierte sich 2018 auf fast 180 Millionen Tonnen – das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 20,5 Kilogramm Fisch. [2]

Doch woher kommen die unzähligen Fische eigentlich, die auf den Tellern der Verbraucher landen? Um der Gier der Menschen nach Fischfleisch auch nur ansatzweise gerecht werden zu können, werden nicht nur die Meere regelrecht leergefischt, sondern auch massenhaft Fische in der sogenannten Aquakultur gezüchtet.

Massentierhaltung in der Aquakultur: Fischkonsum bedeutet Umweltzerstörung

Wie viele Fische genau konsumiert werden, lässt sich nicht genau berechnen: Schätzungen aus dem Jahr 2019 zufolge war die kommerzielle weltweite Fischerei mit ihren riesigen Netzen im Zeitraum von 2007 bis 2016 jedes Jahr für den Tod von durchschnittlich 790 Milliarden bis 2,3 Billionen Fischen verantwortlich. [3] Hinzu kommen 51 bis 167 Milliarden Fische aus der Aquakulturproduktion. [4]

Seit Inbetriebnahme der Aquakultur in den 1970er-Jahren sollte die systematische Fischzucht eigentlich zur Rettung und zum Schutz überfischter Wildbestände beitragen – inzwischen hat sich diese Praxis für die Fische und die Umwelt jedoch ins Gegenteil entwickelt. Aquafarmen sind auf maximalen Profit ausgelegt. Hightech-Massensysteme kontrollieren Nahrung der Tiere, Licht und Wachstumsstimulation. Medikamente, Antibiotika und Gentechnik werden eingesetzt, um das Wachstum zu beschleunigen und das Fortpflanzungsverhalten der Tiere zu verändern. In der Aquakultur leben Fische auf engstem Raum, zusammengepfercht in Netzkäfigen. Das Wasser ist von ihren Exkrementen oftmals trüb verfärbt. Die unnatürliche Enge setzt die Tiere unter extremen Stress, führt zu Verletzungen am ganzen Körper und begünstigt die Ausbreitung von Krankheiten. Um Parasiten, Haut- und Kiemeninfektionen sowie andere bei Zuchtfischen häufige Erkrankungen zu kontrollieren, mischen die Betreiber meist Antibiotika und Chemikalien in die Nahrung der Fische. Diese Stoffe gelangen durch die Netze ins offene Meer und werden so auch von Wildfischen aufgenommen.

Fischfarmbecken
Durch die Enge stehen die Fische unter extremem Stress.

Viele Fischarten in der Aquakultur, wie Lachse und Garnelen, sind Fleischesser und werden auf den Fischfarmen mit Meerestieren ernährt. Obwohl sich die Aquakultur gerne als nachhaltige Alternative zum Fischfang und der damit verbundenen Überfischung der Meere bezeichnet, tragen Fischfarmen erheblich zur Überfischung der Ozeane bei. Laut einer Schätzung von Wissenschaftlern aus dem Jahr 2019 wurden im Zeitraum von 2007 bis 2016 jedes Jahr durchschnittlich zwischen 500 Milliarden und einer Billion Fische gefangen, um sie zu Fischmehl und Fischöl als Nahrung für gezüchtete Fische zu verarbeiten. Dies verdeutlicht, dass weiterhin mehr Fische gefangen als gezüchtet werden. [5]

In der extensiven Aquakultur leiden Fische tagtäglich in artwidrigen und unnatürlichen Fischtanks. Das elende Leben der sensiblen Wasserbewohner endet nach kurzer Zeit mit einer qualvollen Tötung. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) beurteilte die Tötung von Fischen bereits 2004 kritisch und bestätigte, dass Fische in der Lage sind, Angst und Schmerz zu empfinden und zu leiden. [6] Für Tiere aus ökologischen Aquakulturen sind Betäubung und Tötung nicht eindeutig geregelt. Meist werden die Fische in einem Elektrobad betäubt, sind teilweise jedoch noch bei Bewusstsein, wenn sie aufgeschnitten werden.

Aquakultur – ökologisch fragwürdige Tierquälerei für größtmöglichen Profit

Die Aquakultur hat sich zu einer Millionenindustrie entwickelt. Knapp die Hälfte aller heute konsumierten Fische und anderen Meerestiere verbringen den Großteil ihres Lebens in der Gefangenschaft von Fischfarmen. Mit einem jährlichen Wachstum von etwa 7,5 Prozent gilt die Aquakultur weltweit als einer der am schnellsten wachsenden Sektoren der Lebensmittelproduktion. [2] Die enormen negativen Auswirkungen der Fischfarmen auf die Umwelt erfordern jedoch neue und nachhaltige Strategien.

Die Zucht von Fischen verbraucht immense Mengen an Wasser. Für die Produktion von einem einzigen Kilogramm Fischfleisch werden bis zu 50.000 Liter Wasser benötigt [7] – bei Garnelen sind es sogar bis zu 64.000 Liter. [8] Das verbrauchte und oftmals mit Fäkalien und Antibiotikarückständen verunreinigte Wasser der Fischfarmen gelangt in die Meere, wo es zur Schädigung des Ökosystems beiträgt. [9] Eine einzige Lachsfarm in Schottland produziert ebenso viele Abfälle wie eine Stadt mit 10 Millionen Einwohnern – Schottland selbst hat um die 5 Millionen Einwohner. [10]

Künstliche Zuchtbecken belasten die empfindlichen Ökosysteme der Flüsse und Meere.

Oft werden Abfälle, Pestizide und andere Chemikalien direkt in ökologisch empfindliche Küstengewässer abgeleitet, wo sie die dortigen Ökosysteme gefährden und zerstören. Aquafarmer, die Fische in eingezäunten Bereichen von natürlichen Gewässern züchten, vernichten natürliche Lebensräume: Der Abfall der Fische verursacht vielfach die Bildung riesiger Flächen, in denen sich an der Wasseroberfläche grüner Schleim ablagert. Der Sauerstoffgehalt des Wassers wird reduziert, und die betroffenen Bereiche werden für verschiedenste Wasserlebewesen unbewohnbar. Die Küsten Chiles beispielsweise sind aufgrund der exzessiven Aquakultur für den weltweiten Bedarf an Fischfleisch bereits zerstört. Das natürliche Ökosystem ist gekippt und das Meer kein Lebensraum mehr – weder für Menschen noch für Tiere. [9]

Fische sind fühlende Lebewesen, die ein Leben ohne Leid verdienen

Wie wir Menschen sind auch Fische Wirbeltiere, die ihre Schmerzen äußern – wenn auch in einer für uns Menschen nur schwer verständlichen Art. Außerhalb des Wassers schnappen sie unübersehbar nach Sauerstoff, winden sich und zappeln. Diese Reaktionen sind Zeichen für Schmerz und Todesangst. Es ist längst wissenschaftlich erwiesen, dass das Schmerzempfinden von Fischen dem Schmerzempfinden anderer Wirbeltiere sehr ähnlich ist. [11]

Was Sie tun können

Wie alle anderen Tiere sind auch Fische fühlende Lebewesen. Bitte entscheiden Sie sich daher gegen den Konsum von Fischfleisch und informieren Sie Freunde, Bekannte und Verwandte über das Leid der sensiblen Tiere. Wenn sich immer mehr Menschen für eine tierfreundliche Lebensweise entscheiden, hilft das nicht nur unzähligen Fischen, Kühen, Hühnern, Schweinen und anderen Tieren, sondern auch der Umwelt. Außerdem  profitiert auch die Gesundheit von einer veganen Lebens- und Ernährungsweise – so kann beispielsweise der Omega-3-Bedarf problemlos rein pflanzlich und ohne Fischölkapseln gedeckt werden.

Das kostenlose Veganstart-Programm unterstützt Ihren Einstieg in die vegane Ernährung 30 Tage lang mit nützlichen Tipps und leckeren Rezepten.

Quellen

[1] Statista (2020): Pro-Kopf-Konsum von Fisch und Fischereierzeugnissen in Deutschland in den Jahren 1980 bis 2019, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1905/umfrage/entwicklung-des-pro-kopf-verbrauchs-an-fisch-in-deutschland/
[2] FAO (2020): The world state of fisheries and aquaculture, http://www.fao.org/3/ca9229en/ca9229en.pdf, (eingesehen am 16.02.2021)
[3] fishcount.org (2018): Estimated numbers of individuals in annual global capture tonnage (FAO) of fish species (2007-2016), http://fishcount.org.uk/studydatascreens/2016/numbers-of-wild-fish-A0-2016.php, (eingesehen am 16.02.2021)
[4] fishcount.org (2019): Estimated numbers of individuals in global aquaculture production (FAO) of fish species (2017), http://fishcount.org.uk/studydatascreens2/2017/numbers-of-farmed-fish-A0-2017.php?sort2/full, (eingesehen am 16.02.2021)
[5] fishcount.org (2019): Estimated numbers of individuals in annual global capture tonnage (FAO) of fish species used for reduction ti fishmeal & fish oil (2007-2016), http://fishcount.org.uk/studydatascreens/2016/numbers-of-fish-caught-for-fishmeal2016.php, (eingesehen am 16.02.2021)
[6] The EFSA Journal (2004), 45, 1-29, Welfare aspects of the main systems of stunning and killing the main commercial species of animals.
[7] Heldbo, Jesper (2014): Recirculated Aquaculture Systems. Advantages & Disadvantages, https://circabc.europa.eu/sd/a/6112e063-d8aa-4533-9fbb-2abd47cce769/Presentation%204%20Jesper%20Heldbo%20EU_Baltic_Recirculated%20Aquaculture_JH.pdf, (eingesehen am 16.02.2021)
[8] Moss et al. (2001): Greening of the blue revolution: Efforts toward environmental responsible shrimp culture. The Oceanic Institute, 41-202 Kalanianaole Hwy., Waimanalo, HI 96795 USA
[9] Deutschlandfunkt Kultur (2019): Aquakultur mit Nebenwirkungen, https://www.deutschlandfunkkultur.de/lachszucht-in-chile-aquakultur-mit-nebenwirkungen.979.de.html?dram:article_id=445930, (eingesehen am 16.02.2021)
[10] https://www.eesc.europa.eu/resources/docs/europe-presentation-feb-2014_don-staniford.pdf, (eingesehen am 16.02.2021)
[11] European Economic and Social Committee (2014): Farmed fish – their impact on consumer health and the environment, https://www.smithsonianmag.com/science-nature/fish-feel-pain-180967764/, (eingesehen am 16.02.2021)

, , , ,