Angelrute am Steg

Sie zappeln am Haken, ringen nach Luft und kämpfen um ihr Leben – vergeblich: Beim Angeln bohrt sich der spitze Haken durch die Lippe, den Rachen oder andere Körperteile des Fisches, bevor dieser an Land gezogen wird und im meist ausweglosen Todeskampf verzweifelt nach Sauerstoff schnappt. Angler fangen und ziehen in Deutschland jährlich unzählige Fische aus dem Wasser – die einen werden getötet, die anderen anschließend wieder schwer verletzt oder traumatisiert ins Wasser zurück gesetzt.

Vor diesem Hintergrund zeigt sich: Angeln ist kein friedliches „Hobby“ – auch wenn Angler das gerne so darstellen. Viele Angler geben an, es gehe ihnen um die Ruhe und den Einklang mit der Natur. Das Leiden der Fische als Teil der Natur ignorieren viele Angler, denn die Schreie der Tiere können wir Menschen zumindest außerhalb des Wassers nicht hören.

Angeln – Tierquälerei statt Sport

Für Angler ist es ein Hobby – oft mit Wettkampfcharakter. Während es den „Sportlern“ als Freizeitbeschäftigung zur Belustigung dient oder in Wettkämpfen das Selbstwertgefühl steigern soll, bedeutet Angeln für die Fische meist einen qualvollen Tod. Der Mund von Fischen lässt sich mit den Händen von Menschen vergleichen. Fische nutzen ihn zum Jagen und Sammeln von Nahrung, zum Bau von Nestern und um ihre Nachkommen bei Gefahr zu verstecken – all das erfordert ein sensibles Tastgefühl. Beim Angeln werden Fische, nachdem sie den Köder verschluckt haben, am Haken im Mund an ihrem ganzen Gewicht hängend aus dem Wasser an Land gezogen, wo sie nicht mehr atmen können und ihr Todeskampf beginnt. [1, 2, 3, 4]

Fisch am Angelhaken

1. Unzählige Fische sterben beim Wettangeln: Königsfischen und Pokalfischen

An vielen Orten in Deutschland werden immer noch Wettangel-Veranstaltungen als Sportereignisse abgehalten, zum Beispiel sogenanntes Königs- oder Pokalfischen. Tausende Fische werden jährlich bei Veranstaltungen wie dem „Königsfischen“ getötet. Meist gewinnen die Teilnehmer, die den größten und schwersten Fisch oder die meisten Fische in einer bestimmten Zeit an Land ziehen. Darüber hinaus wird auch das Angeln von besonders großen Fischen prämiert. Doch laut Tierschutzgesetz ist das Wettangeln verboten: Nach Paragraf 17 Nr. 1 des Tierschutzgesetzes darf kein Tier ohne „vernünftigen Grund“ getötet werden. Das Küren von Siegern und der Wettbewerbscharakter dieser Veranstaltungen sind kein „vernünftiger“ Grund – denn kein Tier sollte in einem Wettkampf getötet werden, nur damit der Mensch einen Preis erhält.

2. Catch and Release: Fische leiden für die Anerkennung im „Sport“

Catch and Release bezeichnet das Fangen und Zurücksetzen von Fischen beim Angeln. Diese Art des Angelns ist nach Paragraf 17, Nr. 2b des Tierschutzgesetzes in Deutschland verboten, denn die Tiere werden länger anhaltenden, erheblichen Schmerzen und Leiden ausgesetzt. Die Fische werden beim sogenannten „Drill“, dem Kampf zwischen Angler und großem Fisch, „angelandet“ und sind anschließend teilweise mehrere Minuten zum Wiegen, Messen und Fotografieren außerhalb des Wassers und somit ohne Sauerstoff. Beim Herumreichen nimmt ihre Hautschicht Schaden; die empfindliche Schleimhaut und die Schuppen der Tiere werden beschädigt und die Fische dadurch anfälliger für Infektionen mit Pilzen, Bakterien und Parasiten.

Viele Fische werden mehrfach gefangen – erkennbar an den vorhandenen Verletzungen durch Angelhaken. Einige Tiere stehen unter Schock, wenn sie zurückgeworfen werden und sind dann leichte Beute für andere Tiere. Manche Fische sterben auch aufgrund der Temperatur- und Druckunterschiede zwischen Wasser und Land. Eine Studie zum Catch and Release zeigte, dass nach dem Zurücksetzen rund 40 Prozent der gefangenen Fische starben. [5]

Mensch mit Fisch in der Hand

Meist werden beim Catch and Release große Fische wie Welse oder Störe geangelt. Die Angler posieren mit den Tieren für Fotos, bevor sie sie ins Wasser zurücksetzen. Sie lassen die Fische aber nicht aus Tierliebe wieder frei, sondern weil diese nur für das Trophäenfoto gefangen wurden, ohnehin nicht essbar sind oder damit sie immer wieder aufs Neue gefangen werden können.

3. Fliegenfischen: Fische werden mit täuschend echten Ködern angelockt

Das sogenannte Fliegenfischen wird bei Anglern immer beliebter. [6, 7] Beim Fliegenfischen versuchen Angler nicht, Fliegen zu fangen. Vielmehr stammt der Name daher, dass künstliche Köder verwendet werden, die im Gewässer lebende Insekten verblüffend echt imitieren. Die Köder sind sehr leicht und fein, sodass sie auf der Wasseroberfläche schwimmen – oft bestehen sie aus Fell oder Federn, damit sie nicht untergehen. [7] Diese Methode des Angelns zielt darauf, Fische mit möglichst realistischen Ködern anzulocken und zu fangen. [6, 4] Fische auf Nahrungssuche werden bei dieser Art des Angelns besonders hinterlistig ausgetrickst. Möglicherweise ist der Fisch gerade mit einem Artgenossen gemeinsam auf Jagd, denn Fische sind Teamplayer. Die Tiere sind vollkommen ahnungslos, dass der appetitliche Köder vor ihrer Nase sie verletzen und töten wird. Ein „Sport“, bei dem einem arglosen Lebewesen aus dem Hinterhalt aufgelauert wird, um es zu töten, kann nicht fair sein.

Angeln ist wie die Jagd ein grausames und blutiges Hobby – und kein fairer Sport. Denn genau wie Hunde, Katzen und andere Tiere können auch Fische Schmerzen empfinden. Wenn Fische ihr Leid mit lauten Schreien ausdrücken könnten, würde wahrscheinlich niemand mehr behaupten, Angeln sei eine Beschäftigung, die der Entspannung und Erholung dient.

Fische im Meer

Fische sind fühlende Lebewesen und keine „Sportutensilien“

Wie wir Menschen sind auch Fische Wirbeltiere. Da ihre Schmerzen und ihre Todesangst jedoch für uns, zumindest außerhalb des Wassers, nicht hörbar sind, können sich weniger empathische Menschen ihr Leid oft nur schwer vorstellen. Wenn Fische beim Fang panisch nach Luft schnappen und heftig zappeln, ist das ein eindeutiger Hinweis, dass sie verzweifelt um ihr Leben kämpfen. Internationale wissenschaftliche Studien bestätigen, dass Fische Schmerzen spüren und ihr Bewusstsein sowie ihr Schmerzempfinden denen anderer Wirbeltiere stark ähneln. [1, 2, 3, 4] 

Angeln als Sport – Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Für das Töten eines Wirbeltieres muss laut Tierschutzgesetz ein vernünftiger Grund vorliegen. Laut Gesetz ist das der Verzehr der Tiere. Es ist außerdem verboten, einem Wirbeltier länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zuzufügen. Diese entstehen, wenn der Fisch am Haken aufgespießt und in die Luft gezogen wird, wo er nicht atmen kann und in Todesangst um Sauerstoff ringt.

Wie alle anderen Lebewesen haben auch Fische einen Anspruch auf Rechte. Aus diesem Grund erstatten wir von PETA Deutschland regelmäßig Anzeigen gegen Teilnehmer und Veranstalter von „Wettfischveranstaltungen“ und „Catch and Release“-Events.

Was Sie tun können

Fische sind keine Spielzeuge, sondern fühlende Lebewesen – sie sollten nicht zu Unterhaltungs- oder Wettkampfzwecken gequält und missbraucht werden.

  • Bitte besuchen Sie keine Veranstaltungen, auf denen Tiere als „Sportutensilien“ missbraucht werden.
  • Entscheiden Sie sich, keine Fische zu essen, sondern ihnen, wie allen anderen Tieren, mit Respekt und Freundlichkeit zu begegnen.
Quellen

[1] Sneddon, Lynne U. (2011): Pain perception in fish, Evidence and implications for the use of fish, Journal of Consciousness Studies, 18, No. 9-10, 209-229

[2] Braithwaite, Victoria A. (2010): Do Fish Feel Pain?, Oxford: Oxford University Press

[3] Segner, Helmut (2013): Nociception and pain, A biological perspective, Contributions to Ethics and Biotechnology 9, 94

[4] Wild, Markus (2013): Fische, Kognition, Bewusstsein und Schmerz, Eine philosophische Perspektive“, Beiträge zur Ethik und Biotechnologie 10, 187

[5] Sitar, Shawn P., Brenden, Travis O., He, Ji X. & Johnson, James E. (2017): Recreational Postrelease Mortality of Lake Trout in Lakes Superior and Huron, https://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/02755947.2017.1327903, (eingesehen am 17.03.2021)

[6] Wittmann, Marvin (2014): Angeln für Selbstoptimierer, https://www.sueddeutsche.de/leben/fliegenfischen-angeln-fuer-selbstoptimierer-1.2115775, (eingesehen am 17.03.2021)

[7] Rydl, Vladimir (2018): Die wichtigsten Angelmethoden, https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sport/angeln/pwiediewichtigstenangelmethoden100.html, (eingesehen am 17.03.2021)

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